Auftragswerke

 

“Wann werden wir feststellen, dass nicht alles Alte gut und alles Neue böse ist, und dass wir bisher nur wenig erreicht haben? Schauen wir nicht zurück und bleiben wir nicht stehen, denn die Zeit kennt keinen Stillstand und das Leben ist begrenzt und ungewiss.”

Ferruccio Busoni, „Fino a quando?“. An Bord der R.M.S «Oceanic», 23. Dezember 1910. (Aus: Lo sguardo lieto, S. 85-87)

 

 

Ferruccio Busoni war sein Leben lang ein aktiver Förderer des Dialogs zwischen Tradition und Innovation

und entwickelte – den Blick stets in die Zukunft gerichtet – neue Techniken des Klavierspiels.

Seine Philosophie wird von der Busoni Stiftung mit Überzeugung vertreten und praktiziert. Durch die Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung konnten in den letzten Jahren eine Reihe von neuen Kompositionen für Klavier in Auftrag gegeben werden, die im Rahmen des Wettbewerbs oder des Festivals uraufgeführt wurden. Die Busoni Stiftung fördert damit – ganz im Sinne des innovativen Geistes Busonis – die Arbeit einiger der interessantesten KomponistInnen der zeitgenössischen Musik.

 

 

2016 | Aureliano Cattaneo

In Corda geht es in erster Linie um die Intergration des Klaviers in die elektronische Klangerzeugung. Am Resonanzboden des Klaviers werden sieben Transduktoren befestigt, sodass jenes ähnlich wie ein Lautsprecher funktioniert. Alle Töne kommen also direkt aus dem Instrument, aber es wird schwierig, den akustischen vom elektronischen Ton zu unterscheiden, es entsteht eine sogenannte trompe-l’oireille. Ich wollte Möglichkeiten erforschen, um den Klang des Klaviers in Echtzeit zu manipulieren, ausgehend von der Idee, dass sich das Instrument in sich selbst verstimmt. 

Kompositionsauftrag von Annie Clair und der Stiftung Internationaler Klavierwettbewerb Ferruccio Busoni dank einer Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung

 

 

2014 | Mauricio Sotelo, Ancora un segreto per pianoforte solo

Aufgeführt vom Pianisten Juan Carlos Garvayo im Rahmen des Busoni Festivals 2014. Die Gespräche des Komponisten mit Alfred Bendel – insbesondere jene über die Sonate in h-moll von Franz Liszt – waren Inspiration und Ausgangspunkt für Ancora un segreto, eine Komposition, die Soletos Verständnis für die innovative und grenzensprengende Haltung Liszts spiegelt und vorführt, wie Neue Musik in den großen Zusammenhang der historischen Meisterwerke gestellt werden kann. 

 

 

2013 | Rebecca Sauners, Shadow

In der Komposition Shadow werden die vertikalen Harmonien auf ihre klanglichen Schatten „abgeklopft“, die sie im sich ständig verändernden Licht der Akkorde werfen. Die Ausführung dieses sehr anspruchsvollen Werks verlangt schwierigste Techniken, wie scharf gezupfte Töne, Unterarm-Akkorde oder den virtuosen Einsatz des dritten Pedals.

 

 

2010 | (herausgegeben von) Nicolas Hodges, Études

Der Pianist Nicolas Hodges ermutigte für dieses Projekt verschiedene KomponistInnen zu einer Neuinterpretation der Gattung der Etüden. In Auftrag gegeben wurde es vom Busoni Wettbewerb (gefördert von der Ernst von Siemens Stiftung) und der Philharmonie Luxembourg. Beteiligt waren die KomponistInnen Finnissy, Francesconi, Rzewski (Luxemburg) und Pauset, Wuorinen, André, Hosokawa, Sorensen, Furrer (Busoni).

 

 

2007 | Wolfgang Rihm, Sotto voce 2, Capriccio für Klavier und kleines Orchester, 2.

Uraufgeführt vom Haydn Orchester in Erl am 21. Juli 2007, anschließend aufgeführt in den Finalphasen des Busoni Wettbewerbs 2007 als zweite Probe mit Orchester. Sotto Voce 2 – ein Auftragswerk für den Ferruccio Busoni Wettbewerb, die Tiroler Festspiele Erl und das Sinfonieorchester Luzern – ist eine gelungene Fortführung der Daniel Barenboim gewidmeten Komposition Sotto Voce von Rihm aus dem Jahr 1999.

 

 

2005 | Stefano Gervasoni, Fantasia. Invenzione a una voce per pianoforte e orchestra

Aufgeführt 2005 im zweiten Finale mit Orchester. Gervasoni schafft in Fantasia eine Reihe heterogener Situationen unter Einbeziehung von Zitaten aus Eigenkompositionen (z. B. Studio di disabitudine) und fremden Werken (z. B. Schlussetüde des Op. 25 von Chopin). Die großteils einstimmige Komposition entwickelt in ihrem Verlauf eine eigenartige, virtuell anmutende Polyphonie.