Geschichte des Wettbewerbs 

 

 

“Liebster Arturo, wie findest du die Idee, am 25. Todestag Furruccio Busonis in Bozen einen großen, internationalen Klavierwettbewerb zu veranstalten? Haben wir nicht in gewisser Weise die Verpflichtung, an diesen großen Künstler zu erinnern und ihn zu ehren? […] Dieses Unterfangen ist nicht allzu leicht, ich weiß, nichtsdestotrotz würde ich gerne auf deine Unterstützung und wertvolle Mitarbeit zählen.”

(Brief von Cesare Nordio an Arturo Benedetti Michelangeli, Jänner/Februar 1949)

 

 

Mit diesen Worten des damaligen Direktors des Konservatoriums von Bozen Cesare Nordio an Artuo Benedetti Michelangeli wurde der Grundstein für den Internationalen Klavierwettbewerb Ferruccio Busoni gelegt, der mit der Zeit zu einer der einflussreichsten und langlebigsten Veranstaltungen der internationalen Musikwelt geworden ist. Der Todestag Busonis war der ideale Anlass, um eine Initiative in Gang zu setzen, die dem Konservatorium und der Stadt Bozen Prestige einbrachte und zudem - auf den Trümmerhaufen des Krieges - eine Brückenfunktion zwischen deutscher und italienischer Kultur einnahm. Damit wurde auch der Einfluss Ferruccio Busonis ehrend hervorgehoben, den er als italienischer Künstler in Deutschland am Beginn des Jahrhunderts ausübte.

 

Der Internationale Klavierwettbewerb Ferruccio Busoni begann am 12. September 1949 und stieß sogleich auf große Aufmerksamkeit und Resonanz in der damaligen Musikwelt. Ein Grund dafür war auch das hochkarätig besetzte Ehrenkomitee, dem unter anderem Claudio Arrau, Wilhelm Backhaus, Alfred Cortot, Walther Gieseking, Dinu Lipatti, Arthur Rubinstein und Arturo Benedetti Michelangeli angehörten. Schon bald nach der ersten Ausgabe wurde der Busoni Wettbewerb zum einem unverzichtbarem jährlichem Ereignis.

 

 

In der ersten Ausgabe von 1949 erreichte der achtzehnjährige Alfred Brendel einen ehrenvollen vierten Preis. Erst 1952 wurde der Busoni Preis (der zu dieser Zeit aus einer Geldsumme von 500.000 Lira, 15 Konzerten und einem Klavier von Schulze e Pollmann bestand) zum ersten Mal vergeben, an den römischen Pianisten Sergio Perticaroli. 1956 gewann Jörg Demus den ersten Preis, im Jahr darauf die legendäre Martha Argerich. Einige Ausgaben lang fand zudem ein Kompositionswettbewerb für Klaviermusik statt. In diesem Rahmen löste Maurizio Pollini im Jahr 1956 großes Erstaunen aus: Im letzten Moment ersetzte der damals erst Vierzehnjährige seinen Lehrer Giorgio Vidusso als Vortragenden der für den Kompositionswettbewerb ausgewählten Werke und spielte - trotz der kurzen Vorbereitungszeit und des jungen Alters - auswendig und höchst souverän.

 

In den Sechzigerjahren öffnete sich die europäische Klavierwelt der amerikanischen Schule: Jerome Rose (1961), Michael Ponti (1964), Garrick Ohlsson und Richard Goode (1966) und Ursula Oppens (1969) gewannen jeweils den ersten Preis. In den 70ern stach besonders der erste Preis des Brasilianers Arnaldo Cohen (1972) hervor, in der 80ern wurden die ersten Plätze einstimmig an Louis Lortie (1984) und Lilja Zilbernstein (1987) vergeben, welche anschließend große Karrieren starteten. Die russische Schule dominierte die Neunzigerjahre mit den Siegen von Anna Kravtchenko (1992), Alexander Shtarkman (1995) und Alexander Kobrin (1999). Im Jahr 2002 veränderte der Wettbewerb seine Struktur und wurde von nun an zweijährig ausgetragen. Nach der letzten Vergabe des Busoni Preises an Michail Lifits (2008/2009) wird mit großer Spannung ein neuer erster Preisträger erwartet.

 

Heute ist der Busoni Wettbewerb sehr viel mehr als nur ein Musikwettbewerb. Auf seine Geschichte aufbauend will er - zusammen mit dem Festival und den vielen Rahmenprojekten - ein Ort der Begegnung zwischen berühmten Pianisten und jungen Talenten sein und eine Art seismografische Funktion in der gegenwärtigen Klavierwelt inne haben.